Politische Bildung im Stadtmuseum Trier

Kann ein philosophischer Ansatz helfen das politische Desaster in Europa zu mildern?

Am Montag, dem 9. Januar ab 18:30 h gibt der Vortrag mit anschließender Diskussion die Möglichkeit zur Klärung der Frage.

„Kultur – Kulturstaat – Kulturelle Identität. Politische Implikationen des Mythos der Kultur“

(Dr. phil. Nicole Holzenthal)

Der im August 2016 verstorbene Philosoph Gustavo Bueno gilt im spanischsprachigen Raum als der wichtigste Philosoph der Gegenwart. In seiner Heimat wurde er zu Lebzeiten für seine Polemiken geliebt und gehasst, und nach wie vor stehen Nachrufe, Vorträge und Kongresse über seine Figur vor allem in Spanien und Spanischamerika auf der Tagesordnung. In mehreren Fakultäten wird sein „Philosophischer Materialismus“ gelehrt und angewandt.

1996 unternahm Bueno, wie Jan Engelmann in der taz schrieb, den „Versuch, einige Schneisen durch die „wilde Vegetation“ der Kulturdefinitionen zu schlagen“. Seine klare Diagnose: Es handelt sich bei der Kultur um einen dunklen und verworrenen Mythos. Das seit 2002 auf Deutsch vorliegende Buch Der Mythos der Kultur mit dem Untertitel „Essay einer materialistischen Kulturphilosophie“ ist auch in seinen politischen Aspekten nach wie vor hochaktuell. Auf diese Aspekte soll der Vortrag im Stadtmuseum Trier eingehen.

Die heute gängige Kultur-Idee ist bekanntlich eine deutsche Schöpfung, von Herder kreiert, von Fichte bereits auch politisiert und schließlich von Hegel metaphysisch überhöht. Bueno hält die „Objektivierung“ der Kultur für extrem wirkungsmächtig. In vielen Verfassungen wird ein Bezug zur Kultur (als Recht und Pflicht) verankert, manchmal wird gar von „Kulturstaaten“ gesprochen. Wahr ist aber auch, dass der Mythos der Kultur einige politische Bedrohungsszenarien in Gang gesetzt hat, darunter in Katalonien und dem Baskenland. Interessant für Deutschland ist hier die Frage nach dem philosophischen Hintergrund des Kulturkampfs.

Wenn die praktische Verwendung der Kultur-Idee zu politischen Problemen führt, dann hat das mit dem ideologischen Gebrauch des Ausdrucks „kulturelle Identität“ zu tun: Man pocht da auf die Erhaltung kultureller Einrichtungen (Sprache, Bräuche...) aufgrund einer vermeintlich seit Ewigkeiten existierenden „kulturellen Identität“. Dabei kann eine „kulturelle Identität“ doch umgekehrt nur das Ergebnis einer gewissen institutionellen Beständigkeit (z.B. sprachliche Kontinuität oder Tradition an Bräuchen) sein.

Fragen und Beispiele für politischen Implikationen des Mythos der Kultur werden unter einem neuen Licht gesehen und werden schnell brisant.

(Dr. phil. Nicole Holzenthal ist Brockhaus-Autorin, Direktorin von Cima & Holzenthal, Präsidentin von Intersophia und Übersetzerin und Mitarbeiterin von Gustavo Bueno)

Informationen zum „Mythos der Kultur“ finden Sie unter http://www.fgbueno.es/ger/gb0mdk.htm

Weitere Informationen zur Politische Bildung finden Sie im Internet unter www.bap-politischebildung.de

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